Alia Ali

Borderland
28.10.–14.12.2017

Die Galerie—Peter—Sillem zeigt erstmals in Deutschland Werke der jungen jemenitisch-bosnisch-amerikanischen Multi-Media-Künstlerin Alia Ali. 

Alia Alis künstlerisches Interesse richtet sich vor allem auf Menschen, Orte und Prozesse, die uns zugleich verbinden und trennen. Ihre Arbeiten reflektieren auf die Politik und Poetik umstrittener Konzepte wie Identität, Grenzen, Universalität, mentale und physische Räume der Einschränkung und der Dualität. Ihre Arbeiten bewegen sich im Zwischenraum dessen, was wir subjektiv oder objektiv, Illusion oder Realität, Wahrheit oder Interpretation nennen.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Alia Ali mit dem Thema Ausgrenzung im politischen Diskurs. In ihrer Serie Borderland erkundet sie die Grenzen innerhalb menschlicher Beziehungen. Wer ist ein-, wer ist ausgeschlossen? Wer ist Subjekt, wer Objekt? Der oder die Porträtierte oder der Betrachter, die Betrachterin?

Zentral für Alia Alis Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist ihre Arbeit mit traditionellen Textilien und deren Bildsprache. Durch ihre Farben, Muster und Materialien werden Textilien Träger kultureller Identität und stehen sowohl für Zusammengehörigkeit als auch für Individualität.

Textilien lassen den reichen kulturellen Kontext, dem sie entstammen, unmittelbar erfahrbar werden. Ihre Muster sind Buchstaben, ihre Webarten erzählen die Geschichte ihrer Träger, ihre Herstellungsweisen, die zum Teil im Verschwinden begriffen sind, beruhen auf uralten Kulturtechniken. Alia Alis Fotografien und Installationen erzählen auch eine Geschichte der Menschheit in Bildern, Farben und Mustern.

Für die Arbeit an Borderland reiste Alia Ali von New Orleans nach Oaxaca in Mexiko, nach Buchara und Margillon in Usbekistan, nach Yogyakarta in Indonesien, nach Kyoto und Tokio, nach Sapa in Vietnam, nach Udaipur in Indien und schließlich nach Nairobi in Kenia, wo sie sich jeweils intensiv mit den Textiltraditionen, den Herstellungsweisen von Stoffen und ihren Materialien beschäftigte.

„Den Anstoß zu meiner Arbeit an Borderland erhielt ich durch die zunehmend aggressiven weltweiten Abschottungstendenzen, gepaart mit einem erstarkenden Nationalismus, dem Vorrang eingeräumt wird gegenüber Schutz und Zuflucht für all jene, die sich in größter Not befinden. Dieser Diskurs ist im Begriff, rund um den Globus Mauern zu errichten, während zugleich Gemeinschaften, die auf Vielfalt beruhen, zerfallen. Die Figuren auf meinen Bildern, die ich ‚-cludes‘ nenne, sind sozusagen Figuren ohne gültige Dokumente — ihre Namen sind vieldeutig, ihr Aufenthaltsort bleibt ein Geheimnis. Sie sind nicht identifizierbar, abgesehen von dem, was auf den Bildern zu sehen ist — Haltung, Farben, Symbolik, Struktur, woraus der Eindruck einer Verbindung und Entfremdung zugleich erwächst. Ihre Existenz wirft die Frage auf, was der Mensch ist, was sein Inneres und was sein Äußeres ausmacht.Die Figuren in meinen Porträts sind eingehüllt in Stoffschichten, durch die sie von der Außenwelt getrennt sind. Die Außenstehenden werden konfrontiert mit der elementaren Frage nach Zugehörigkeit und der Dualität von Heimat und Exil.“ Alia Ali  

Alia Ali, geboren 1985 in Österreich, ist eine jemenitisch-bosnisch-amerikanische Multi-Media-Künstlerin. Sie hat bislang 63 Länder bereist, in sieben davon gelebt und wuchs umgeben von fünf verschiedenen Sprachen auf, so dass sie am liebsten anhand von Bildern und multi-sensorischen Medien kommuniziert. Ihre ausgiebigen Reisen haben sie gelehrt, die Welt interaktiv zu begreifen. Alia Ali ist Absolventin des United World College of the Atlantic (UECAC) and hat einen Abschluss in Kunst und Nahost-Studien am Wellesley College. Ihre Arbeiten wurden unter anderem ausgestellt im Ogden Museum of Southern Art, der Marrakech-Biennale als Teil des Schweiz-Marokkanischen Kollektivs KE’CH und bei der Gulf Photo Dubai Plus während der Art Week Dubai 2017. Ihr neuestes Projekt Borderland wurde bislang u.a. in der Mondo Galeria, Madrid, in der Galerie Siniya, Marrakech, und der Space Gallery in Portland/Maine, USA ausgestellt.
Alia Ali ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, so unter anderem mit dem Alice C. Cole ’42 Award des renommierten Wellesley College, dem Lens Culture Emerging Talents Award 2016 und mit einer Goldauszeichnung der Tokyo International Foto Awards.